Sabine Rankel: erfolgreichste Läuferin des LC

Sie ist die bei weitem erfolgreichste Läuferin, die der LC je hatte. Über ein Jahrzehnt lang war sie die beste Bergläuferin in der Pfalz. Sie gewann zwei Deutsche Seniorenmeisterschaften in der Klasse W35 und holte zehn Mal den Pfälzer Berglaufpokal, um nur einige ihrer zahlreichen Erfolge zu nennen. Und zehn Jahre nach ihrem ersten DM-Titel, als sie den Laufsport nur noch zum Spaß und ohne Leistungsdruck betrieb, verfehlte sie bei der Berglauf-DM im Jahr 2015 einen weiteren Titel in W45 nur ganz knapp. Im Dezember 2018 feierte sie ihren 50. Geburtstag.

„Zwei Kinder, Haushalt, Hund – für einige würde das schon reichen. Dann noch eine Halbtagsstelle als Krankenschwester, dazu zwei Kinderturngruppen, einmal Ganzkörpergymnastik, Sportabzeichen-Abnahme...“, so schrieb Birgit Schillinger in ihrem Porträt bei LaufReport im Jahr 2005. „Das reicht? Ach so, noch was: Sabine Rankel trainiert auch noch vier Mal in der Woche so effektiv, dass sie die „Pfälzer Bergkönigin“ genannt wird. Zu Recht, denn Sabine ist am Berg hier in der Region unschlagbar.“

Tatsächlich reichten ihr relativ wenige Trainingseinheiten und verhältnismäßig geringe Kilometerumfänge, um erfolgreich zu sein. Aber Training, Familie, Beruf und Wettkämpfe auf die Reihe zu bekommen, war nicht immer einfach. Denn Sabine Rankel war als Krankenschwester häufig an Wochenenden in Nachtschicht tätig. Da konnte es schon passieren, dass sie, wenn ein wichtiger Wettkampf anstand, auch mal gleich nach der Nachtschicht an den Start ging. Zudem war (und ist) ihre Saison als Läuferin meist recht kurz. Denn sie leidet an einer starken Pollenallergie mit Bronchialasthma, so dass sie im späten Frühjahr und während der Sommermonate nicht intensiv laufen kann. Deshalb bevorzugte sie in ihrer Aktiven-Zeit auch die Bergläufe in der Pfalz, die überwiegend im Herbst und Winter stattfinden.

Erfolgsjahre 2005 und 2006
Im Rückblick auf ihre sportliche Laufbahn spielt das Jahr 2005 eine besondere Rolle. Da war sie 37 Jahre alt. Höhepunkt des Sportjahres war der Titelgewinn bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften im Berglauf im Juni in Kappelrodeck im Nordschwarzwald. Darüber hinaus gewann sie in diesem Jahr zwei Pfalzmeisterschaften bei den Frauen (im Halbmarathon und im Berglauf) und weitere zwei Pfalz-Seniorenmeisterschaften in ihrer Klasse W35 (im Waldlauf und im Berglauf) und den Rheinland-Pfalz-Titel im Crosslauf der Seniorinnen W35. Und nachdem sie in Maikammer mit dem Kalmit-Berglauf ihren fünften von sechs Bergläufen in der Pfalz gewonnen hatte, durfte sie dort auch den Pfälzer Berglaufpokal in Empfang nehmen, seinerzeit zum sechsten Mal in acht Jahren.

Ihre hervorragenden Leistungen wurden auch in der Öffentlichkeit anerkannt: Im November 2005 gewann sie die Wahl zum „Sportler des Jahres“ von Bad Dürkheim.

Dass ihr DM-Titel keine Eintagsfliege oder Zufall war, demonstrierte sie eindrucksvoll im Jahr darauf. Da lief sie bei der Berglauf-DM der Senioren in der Schwäbischen Alb von Beuren hinauf zur Burg Hohenneuffen mit großem Vorsprung in ihrer Klasse W35 ins Ziel und damit zum erneuten Titelgewinn.

Sabine Rankel besitzt damit als erste Frau des Bad Dürkheimer Laufclubs zwei Deutsche Meistertitel. LC-Athleten haben zwar in den 1980er und 1990er Jahren schon zahlreiche Titel bei Deutschen Seniorenmeisterschaften gewonnen – überwiegend in Mannschaftswertungen –, aber im Berglauf waren solche Erfolge rar. Die erste Einzel-Meisterschaft gewann 1993 Henning Schneehage in M50, Sabine Rankel (2005 und 2006) sowie Ludwig Mesel (M70, ebenfalls 2006) fügten der LC-Bilanz drei weitere hinzu.

Doch zurück zur Pfalz. Ihre zehn Siege beim Pfälzer Berglauf-Pokal (in den Jahren 1998 bis 2010) sind legendär. Ebenso rekordverdächtig ihre neun Siege beim Donnersberglauf (1997 bis 2008), einem ihrer Lieblingsläufe in der Pfalz. Im Jahr 1999 brachte sie sogar das Kunststück fertig, als Schwangere Ende Februar den Donnersberglauf zu gewinnen, im Sommer ihre zweite Tochter zur Welt zu bringen und im Herbst nach kurzer Babypause die Saison mit dem Pokalgewinn zu krönen. Die Veranstalter des Donnersberglaufs haben sich übrigens für ihre Sieger, die drei Erfolge vorweisen können, eine besondere Ehrung ausgedacht. Sie benennen auf ihrer „Straße der Sieger“ einen Streckenabschnitt nach ihnen. So haben die Läufer auf ihrem Weg zum Gipfel die „Rankel-Rampe“ zu überwinden.

Auch bei Marathon und Halbmarathon erfolgreich
Nicht nur bei den Pfälzer Bergläufen lief Sabine Rankel lange Jahre ohne Konkurrenz vorneweg, auch beim Heidelberger Halbmarathon war sie jahrelang das Maß aller Dinge. 1997 und 1998 gewann sie erstmals, damals noch im Trikot der TSG Eisenberg. Danach folgte die Babypause. Zwischen 2003 und 2008 stand sie weitere vier Mal ganz oben auf dem Treppchen. Sieben Starts sechs Siege – nur einmal (2007) wurde sie „nur“ Zweite, als sie grippegeschwächt antrat. Das ist einmalig. Warum gerade Heidelberg? Weil es eine schwere, bergige Strecke ist. Sabine Rankel braucht es nämlich bergig. „Das ist Kopfsache. Mir fällt es schwer, auf der Ebene das Tempo zu halten“, sagte sie einmal.

So waren ihre Starts beim Marathon Deutsche Weinstraße nur folgerichtig. Obwohl – Marathon wollte sie eigentlich nie laufen. Aber der Marathon entlang der Weinstraße ist anders, hat mit rund 500 Höhenmetern ein wenig Berglauf-Charakter. Von 1998 bis 2008 trat sie bei allen sechs Läufen auf der vollen Distanz an, stieg mit knapp unter 3:08 Stunden in die Marathonszene ein und steigerte sich auf 3:02 im Jahr 2004. Einmal wurde sie Gesamt-Zweite, zweimal Dritte. Dabei kam sie immer in die Geldpreisränge für die besten Läuferinnen aus der Region. „Das ist der einzige Lauf, der für mich lukrativ ist“, meinte sie nach ihrem Lauf 2004. (Ihre Marathon-Bestzeit lief sie übrigens 1998 in Karlsruhe mit 3:00:19, aber die 3:02:11 auf der bergigen Strecke an der Weinstraße sind höher einzuschätzen.)

Comeback als Seniorenläuferin
In ihrer sportlichen Karriere lief es allerdings nicht immer rund. Mehrfach wurde sie von gesundheitlichen Problemen ausgebremst. Nicht nur von ihrem Bronchialasthma. So musste sie die gesamte Saison 2011 wegen massiver Rückenprobleme aussetzen. Nach mehr als eineinhalb Jahren Pause wagte sie im Frühjahr 2012 das Comeback. Mit 44 Jahren stand nun nicht mehr der Leistungsanspruch im Vordergrund, sondern die Freude an der Bewegung, der Spaß am Laufen – und zwar schmerzfrei. Dennoch gelangen ihr viele gute Platzierungen in ihrer Altersklasse. Im Jahr 2015 trat sie wieder bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften im Rahmen des Hundseck-Berglaufs in Bühlertal im Nordschwarzwald an. Und fast hätte sie sogar den Titel in W45 geholt. Der 47-Jährigen fehlten nur fünf Sekunden zum Sieg.

Zur Abwechslung startete sie ab 2014 außerdem bei Triathlons. Denn Sabine Rankel ist auch eine ausgezeichnete Schwimmerin. Nur an das Radfahren mit dem Rennrad musste sie sich erst gewöhnen – zunächst auf einem geliehenen. Auch hier stellten sich bei Kurzstrecken-Wettkämpfen Erfolge ein.

Doch bald wieder plagten sie beim Laufen muskuläre Probleme, die ihren sportlichen Einsatz erneut bremsten. Kaum waren die auskuriert, wurde sie im Jahr 2018 durch eine Operation am Auge mit langwierigen Folgen zurückgeworfen. So wartet sie noch immer auf ihren ersten Start in ihrer neuen Altersklasse W50.

(von Henning Schneehage; zuletzt bearbeitet am 23.11.2019)

Sabine Rankel beim Marathon Deutsche Weinstraße 2002 (Foto: Christina Schneehage)
Sabine Rankel beim Marathon Deutsche Weinstraße 2004 (Foto: Christina Schneehage)
Siegerehrung beim Marathon Deutsche Weinstraße 2006: Sabine Rankel Dritte von rechts (Foto: Manfred Rankel)
Sabine Rankel kurz vor dem Ziel des Weinstraßen-Halbmarathons 2010 (Foto: Manfred Rankel)
Siegerin des Potzberg-Berglaufs 2003: Sabine Rankel (Foto: Henning Schneehage)
Die Sieger des Pfälzer Berglauf-Pokals 2003: Sabine Rankel und Martin Musial (Foto: Henning Schneehage)
Siegerin des Donnersberglaufs 2004: Sabine Rankel (Foto: Henning Schneehage)
Die Sieger des Pfälzer Berglauf-Pokals 2004: Sabine Rankel, Dritte von links, neben Pokalsieger Matthias Hecktor (Foto: Henning Schneehage)
Siegerin des Potzberg-Berglaufs 2005: Sabine Rankel (Foto: Henning Schneehage)
Beim Bad Dürkheimer Sportlerball 2005 werden Sabine Rankel und das Damen-Team des LC Bad Dürkheim zum „Sportler des Jahres“ bzw. „Mannschaft des Jahres“ gekürt.
Die Sieger des Pfälzer Berglauf-Pokals 2006: Sabine Rankel und André Bour (Foto: Henning Schneehage)
2008: Sabine Rankel gewinnt zum 6. Mal den Heidelberger Halbmarathon (Foto: Manfred Rankel)
Sabine Rankel gewinnt 2008 den Pfälzer Berglauf-Pokal zum 9. Mal (Foto: Henning Schneehage)
2009 beim Bad Dürkheimer Berglauf (Foto: Christina Schneehage)
2012 beim Rietburg-Berglauf (Foto: Henning Schneehage)
2014 beim Rietburg-Berglauf (Foto: Henning Schneehage)
2014 beim Potzberg-Berglauf (Foto: Henning Schneehage)
2014 beim Kalmit-Berglauf (Foto: Henning Schneehage)
2014: Sabine Rankel wird beim Pfälzer Berglauf-Pokal Zweite hinter Melanie Noll und 1. W45 (Foto: Henning Schneehage)
2015 beim Donnersberglauf (Foto: Henning Schneehage)
Juni 2015: LC-Frauenteam bei der Sportlerehrung der Stadt Bad Dürkheim für den Gewinn der Mannschaftswertung beim Berglauf-Pokal 2014 (Foto: Henning Schneehage)
2016 beim Nanstein-Berglauf (Foto: Henning Schneehage)
2014 beim Triathlon in Gimbsheim (Foto: Manfred Rankel)
2015 beim Triathlon in Wörrstadt (Foto: Manfred Rankel)